Besuch des Kulturbunkers Bonn
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Im Rahmen der Reihe „Besuche in der Nachbarschaft“ trafen sich am Sonntag, 17. Mai 2026, 23 Mitglieder des Bürgervereins am Kulturbunker in der Trierer Straße in Bonn – Poppelsdorf.
Beim Eintreffen schon war für Viele überraschend, welch freundliches Gesicht dieses doch trutzige Bauwerk heute zeigt. Unsere junge Führerin, eine Studentin der Kunstgeschichte, erläuterte: die schöne Bemalung der Fassade entstand im Jahr 2022 und war eine Auftragsarbeit des Streetart-Künstlers Case Ma`Claim. Auftraggeber war die gemeinnützige Hans-Riegel-Stiftung im Rahmen ihres Projekts Walls of Vision, das zum Ziel hat, Kunst für möglichst viele Menschen sichtbar zu machen. Angelehnt hat sich der Künstler bei seinem Werk an Motive klassischer niederländischer Gemälde des 17./18. Jahrhunderts und zeigt eine Winterlandschaft mit zugefrorenem See und Schlittschuhläufern, wobei die Bedeutung der ebenfalls auf dem Eis befindlichen großen Kühe sich nicht unmittelbar erschließt.
Nach Betreten des Bunkers trug unsere Führerin zunächst einige interessante Details zum Bauwerk und seiner Geschichte vor. Im Wesentlichen:
Der Bunker wurde im Jahr 1941 unter Einsatz von Zwangsarbeitern in nur sechs Monaten errichtet; es handelt sich um die Mischform eines Hoch- und Stollenbunkers; der dreigeschossige Hochbunker hat eine Tiefe von 20 Metern und ist in den Hang des Kreuzberges hineingebaut; zusätzlich wurden an der Rückseite je zwei 44 Meter lange Stollen in den Berg getrieben; insgesamt hatte der Bunker 105 Liege- und 724 Sitzplätze.
Nach dem Krieg wurde der Bunker bis zum Jahr 1953 als Studentenwohnheim („Studentenbunker“) genutzt. Für heutige Verhältnisse kaum vorstellbar ist, dass die Plätze dort sehr begehrt waren, und das, obwohl die zellenartigen Räume eine winzige Größe hatten und fensterlos waren, nur ein Waschraum für alle Bewohner vorhanden war und die Raumtemperatur durchgängig nur 8 bis 10 Grad C betrug. Neben der geringen Monatsmiete (15 DM) lag die Attraktivität aber in der gewachsenen Gemeinschaft und den Freiheiten aufgrund bestehender Selbstverwaltung.
Nach Aufgabe des Bunkers als Studentenwohnheim stand der Bunker in den Folgejahren überwiegend leer. 1995 wurde er unter Denkmalschutz gestellt; im Jahr 2006 ermöglichte die Stadt Bonn den Kauf des Bunkers durch private Investoren und genehmigte die Errichtung von zwei Wohngebäuden auf dem Dach des Hochbunkers.
Seit Mai 2025 wird der Bunker als Museum („Kulturbunker“) genutzt, wesentlich unterstützt durch die Hans-Riegel-Stiftung, die das Gebäude maßgeblich umgestaltet hat.
Nun zu den Ausstellungen:
Derzeit präsentiert der Kulturbunkerneben der Dauerausstellung die seit 1. Februar 2026 laufende Ausstellung „Open Perspectives“ – Vielfalt künstlerischer Lebensansichten, in der junge Kunststudierende Werke zeigen, in denen sie sich mit Themen wie Umwelt, politischen Ereignissen oder persönlichen Erfahrungen auseinandersetzen und dies kreativ bildlich umsetzen. Insgesamt vermitteln die ausgestellten Werke einen vielschichtigen Einblick in die Gestaltungs- und Ausdruckskraft der Studierenden, aber auch einen Eindruck ihrer künstlerischen Fertigkeiten.
Daneben werden im Rahmen der Dauerausstellung Fotografien der Bonner Fotografin Käthe Augenstein von Studenten präsentiert, die seinerzeit im „Studentenbunker“ wohnten. Die Fotografien dokumentieren eindrücklich die kärgliche Wohnsituation im Bunker. Als beredtes Beispiel sei die Fotografie eines Medizinstudenten erwähnt, der eifrig mit einer Schreibmaschine beschäftigt ist und vor seiner Zellenwand sitzt, auf die er aus Lernzwecken menschliche Körperteile skizziert und medizinische Begriffe vermerkt hat. Diese historischen Dokumente sind an der Wandfläche, die seinerzeit Teil des vom Studenten bewohnten Raumes war, noch erhalten und zu bestaunen.
Alle „Bürgervereinler“ waren sehr angetan von dem Besuch des „Kulturbunkers“ und lobten seine kulturelle Nutzung als eine willkommene Ergänzung und Bereicherung des Bonner Kulturangebots.
Text:(U.Birkenheier/ Fotos: Kuchta, Vanderbrück)