"Häuser und Gärten der Dichter und Denker in Südengland".
"Am Dienstag, 11. August 2026 zu nachtschlafender Zeit um 06:15 Uhr trafen sich 36 England-Zugewandte Mitglieder unseres Bürgervereins am Meckenheimer "Tim-Lobinger-Stadion"-Stadion um pünktlich um 06:30 Uhr zu unserer 11-tägigen Reise nach Südengland (Kent, Sussex und London) aufzubrechen. Alle waren rechtzeitig zur Stelle, so dass der allseits bekannte und beliebte Fahrer Albert Krieger vom renommierten und vom BV bevorzugten Busunternehmen Jablonski bei herrlichem Sommerwetter keine zeitliche Not hatte, unsere zahlreichen Koffer und Taschen zu verstauen. Und schon wurde in Richtung Calais gestartet ...
- aber nur bis kurz vor Rheinbach, als der Bus auf ziemlich freier Strecke hielt und eine Teilnehmerin durchaus fröhlich winkend den Bus verließ. Was war denn da los? Diese Teilnehmerin hatte - vielleicht aus nostalgischen Gründen - alle ihre abgelaufenen Reisepässe aufbewahrt und versehentlich einen alten Reisepass eingesteckt. Ein persönlicher Fehler, den sie aber mit Bravour korrigiert hat: Sie gelangte irgendwie zurück nach Köln in ihre Wohnung, holte ihren richtigen Reisepass hervor und ließ sich von ihrem Sohn direkt nach Calais bringen und traf dort rechtzeitig zur uns nachfolgenden Fähre ein ...
Nach Durchquerung Belgiens bei herrlichem Sonnenwetter musste unsere Busbesatzung in Calais eine seit dem Brexit der Briten zu höchst kompliziert durchdeklinierter Perfektion gebrachte Einreiseprozedur miterleben. Die Einreiseformalitäten waren aufwändiger als bei einer Reise in die USA: Zuerst Kontrollen bei der Ausreise aus der EU und 15 m weiter Kontrollen bei der Einreise ins United Kingdom (UK). Aber wir haben alles unbeschadet überstanden und freuten uns, dass Albert Krieger als altgeübter England-Linksverkehr-Fahrer flott unser Ziel, das Hotel Holiday Inn Maidstone in SEVENOAKS auf der richtigen Straßenseite ansteuern konnte.
Und dort begann am nächsten Tag unser Besichtigungsprogramm mit vielen Orten im Süden, genauer Kent und Sussex, die einen Bezug hatten zum Thema dieser Reise, nämlich "Häuser und Gärten der Dichter und Denker in Südengland".
Und bei diesen Rundreisen - immer von ein und demselben Hotel aus, was ein großer Vorteil war - haben wir vom durch seine unermessliche Größe überwältigenden "Hampton Court" von Heinrich VIII. bis zum Wohnsitz Chartwell von Winston Churchill eigentlich alle für den Süden Englands relevanten Houses besichtigt und von unserer kundigen England-Freundin Christel Thelen u.a. gelernt, dass englische "Houses" alle Wohnsitze vom riesigen Palast bis zum bescheidenen Wohnhaus eines Schriftstellers beschreiben. Und in dieser landschaftlich bezaubernden Gegend haben sich im Laufe der Jahre - sogar Jahrhunderte - berühmte Schriftsteller niedergelassen von Rudyard Kipling (Das Dschungelbuch) über Virginia Woolf und Vita Sackville-West bis Charles Dickens, um nur einige zu nennen. Wir haben natürlich auch London angesteuert und dort den Tower, St. Pauls Cathedral, das Tate Museum und Shakespeares´ originalgetreu wiederaufgebautes hölzernes "Globe Theatre" besichtigt. Wir fuhren auch in den Süden an die Küste nach Hastings, wo wir das Schlachtfeld besuchten, auf dem der Normanne Wilhelm der Eroberer 1066 den englischen König Harald besiegte und damit eine neue Ära auf der Insel einleitete.
Im Anschluss an die Besichtigung des Schlachtfeldes - dieser Ort heißt inzwischen sogar "Battle" - erlebte ich in einem "Fish and Chips"- Lokal bei einem Gespräch mit zwei älteren Einheimischen (78 und 77 J) ein besonderes Geschichtsverständnis: Auf den Hinweis, dass in nur noch 40 Jahren in 2066 ein Jahrtausend seit der Schlacht vergangen sei, antworteten sie völlig unerwartet: "What do you think about 1966?" Sie meinten das Finale der Fußball-WM 1966 im Wembley-Stadion, welches bekanntlich England nach einem umstrittenen Tor gewann. Einer sagte: "It was no goal!" und klopfte mir freundlich auf die Schulter, was ja nichts anderes bedeuten kann, als dass Engländer und Deutsche sich bestens verstehen - jedenfalls in unserer Generation.
In diesem Zusammenhang: Der Teppich von Bayeux, auf gefühlt 70 m gewebt von Nonnen im ganz frühen Mittelalter, beschreibt alles, was vor und in der Schlacht geschehen ist. Dieser soll - wie zu hören ist - an England ausgeliehen werden, oder ist es schon. Aber die Franzosen sollen nach spitzer Bemerkung von Christel Thelen skeptisch sein, weil die Erfahrung zeige, "dass die Engländer nicht gerne zurückgeben, was sie irgendwann mal in Händen hatten".
Der letzte Tag vor der Rückreise blieb Chartwell vorbehalten, dem privaten Landsitz von Winston Churchill, der ja nicht nur zweimal Premierminister war, sondern auch Literatur-Nobelpreisträger (1953). In Chartwell erlebten wir nach Tagen und sogar Wochen unter strahlender Sonne und teilweise großer Hitze einen kurzen, aber heftigen Wolkenbruch.
Am vergnüglichen Abschlussabend im Holiday Inn Hotel erfuhren wir, dass sogar unter uns eine Dichterin war, denn unsere Mitfahrerin Brigitte Keuchel trug einen selbst in Reime verfassten "Reisebericht" über jeden Tag vor und erntete dankbaren Applaus.
Von Sevenoaks ging es am Freitag 21. August über Dover und Calais wieder zurück und im Feierabend- und Wochenend-Verkehr mühsam nach Meckenheim, wo wir bei Dunkelheit und strömendem Regen ankamen. Dieses köstliche Nass wurde aber von allen Reisenden nach wochenlanger Dürre (seit Juni) dankbar angenommen.
Unsere Reiseorganisatorin Gerhild Fliegl, die souverän und sachlich immer den Überblick behielt, und Christel Thelen, die uns als Anglistin und Landeskundige an ihrer nicht unkritischen Liebe zu England teilhaben ließ, haben uns allen eine unvergessliche Reise beschert - an dieser Stelle: Ein dickes Dankeschön!"
Michael Rügge